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Medienbericht im Magazin schweizer HausapothekeFor women onlyIn Basel gibt es seit Oktober 2004 die erste Gesundheitspraxis in der Schweiz ausschliesslich für Frauen und Mädchen. Monika Bänninger möchte damit verloren gegangenes ganzheitliches Frauenwissen wieder mehr ans Licht und ins Bewusstsein der Frauen rücken – und einen Kontrapunkt setzen zur nach wie vor von männlichen Ideen geprägten Welt der Medizin. Die ausgebildete Drogistin und diplomierte und kantonal anerkannte Homöopathin/Naturärztin ist überzeugt, dass das alte Wissen der Frau der Schlüssel für die Frauen ist, wieder die vollständige Macht und Selbstbestimmung über ihr Leben zu erlangen. «Mit jeder Frau, die sich in ihrem Körper zu Hause fühlt, wird diese Welt bewohnbarer», lautet ihre Botschaft und Überzeugung. Für die Männer eigentlich auch, wäre zu ergänzen. Bricht da etwa die Frustration einer kämpferischen, aber erfolglosen Emanze hervor? Monika Bänninger verneint energisch. Gewiss habe ihre neue berufliche Ausrichtung auch damit zu tun, dass sie schon von Kindsbeinen an eine feministische Ader gehabt habe, allerdings nie eine fundamentalistische. Die Botschaft habe sich ergeben, weil sie vor allem fasziniert sei vom alten Frauenwissen, das gerade auch im Zuge der grossen mittelalterlichen Hexenverbrennungen buchstäblich aus dem öffentlichen Bewusstsein gelöscht worden sei. «Früher wusste jede Frau noch selber, was sie nehmen musste, wenn sie gesundheitliche Probleme hatte, und rannte nicht immer gleich zum Arzt.» Die Marginalisierung der Frauen in der Medizin ist für Monika Bänninger eine überaus tragische Entwicklung. Sie habe sich vor allem deshalb ergeben, weil Frauen damals mit ihrem Wissen in Konkurrenz zu Ärzten und Priestern gestanden seien. Der Ärztestand hatte sich dann ja mit dem wissenschaftlichen Fortschritt langsam aus dem Schoss der Kirche verabschiedet und Universitäten gegründet. Die Zeiten, als die gesundheitliche Versorgung auch eine starke spirituelle Seite hatten (und deshalb lange Sache der Priester war), machten dem rationalen organischen Denken Platz. Da waren heilkundige Frauen offenbar eine derart gefährliche Konkurrenz, dass es sie auszurotten galt. Millionen von angeblichen «Hexen» liessen so in ganz Europa ihr Leben auf den Scheiterhaufen. Damit lösten sich altes Frauenwissen, alte Rituale und Kulte, altes Naturwissen über Verhütungs-, Lust und Schmerzmittel in Rauch auf. Und damit war vieles verloren, was den Frauen bis dahin, eingeengt in ein strenges moralisches Korsett, doch ein bescheidenes Mass an Eigenständigkeit ermöglicht hatte. Die Frauen verstummten und die Männer übernahmen das Zepter auch in der Frauenheilkunde. Bis heute sind Gynäkologie und Geburtshilfe ihre Domäne geblieben. Sehr zum Nachteil vieler Frauen, findet Monika Bänninger: «Die Gynäkologie hat zum Teil sehr eigenwillige Vorstellungen vom Wesen und der Biologie der Frau, die alle in medizinische Theorien, aber auch in unser gesellschaftliches Denken und Handeln einfliessen.» Nicht abhängig machen Mit ihrer Praxis nur für Frauen und Mädchen will Monika Bänninger «mithelfen, dass Frauen sich wieder mehr als Ganzes wahrnehmen und nicht auf einzelne Organe fixiert sind, wie das die Schulmedizin leider noch allzu oft tut». Die Praxis sei in der Schweiz ein erster Schritt, altem Frauenwissen und dem ursprünglichen weiblichen Selbstverständnis wieder zu dem ihm zustehenden Platz im modernen Gesundheitswesen zu verhelfen. Dass sie mit ihrer Beschränkung auf Frauen und Mädchen diese wiederum nur in der von ihr kritisierten Rolle als reine Patientinnen, also Erdulderinnen, hält oder drängt, lässt Monika Bänninger nicht gelten: «Ich will die Frauen nicht von mir abhängig machen. Ich will ihnen Informationen vermitteln, wie sie sich bei zahlreichen Beschwerden selber helfen können, ich biete Hilfe zur Selbsthilfe, und wirke vor allem auf die Stärkung des Selbstbewusstseins und ein ganzheitliches Denken meiner Patientinnen hin.» Und die Männer? Bleiben sie aussen vor? «Nein», sagt Monika Bänninger, «Patienten, die schon vorher zu mir gekommen sind, nehme ich auch weiterhin.» Auch wenn Frauen mit Symptomen zu ihr kommen, die ihren Partner ebenso betreffen (können), etwa bei ungewollter Kinderlosigkeit. Und Männer, die «offen sind für altes Wissen», weist sie ebenfalls nicht die Tür. Davon gebe es zwar nicht viele, aber doch einige. Die hauptsächliche Aufmerksamkeit gilt allerdings den Frauen und Mädchen. Und Monika Bänningers Angebot stösst auf Resonanz. Darauf lässt auf jeden Fall das Echo schliessen, welches die Gesundheitsfrachfrau mit ihren Vorträgen bisher auszulösen vermochte. Sie sei auch vermehrt von Frauen und Mädchen aufgesucht worden in der Gemeinschaftspraxis, in welcher sie vor der Eröffnung ihrer eigenen Frauenpraxis im Oktober gearbeitet habe, erzählt sie. Zudem gebe es bisher in der Schweiz nichts derartiges, ganz im Gegensatz zu Deutschland, wo man diesbezüglich schon ein ganzes Stück weiter sei. All diese Tatsachen und Überlegungen hätten förmlich nach einer solchen Einrichtung auch in der Schweiz geschrien. Und die Praxis in Basel soll erst der Anfang sein: «Weitere Projekte in Bezug mit Mädchenaufklärung, Vorträge sowie der Aufbau einer Zusammenarbeit mit verschiedenen Institutionen zu frauenspezifischen Gesundheitsthemen sind in Bearbeitung.» Professionelles Rüstzeug Eine Praxis, die sich praktisch ausschliesslich um Frauen und Mädchen kümmert, beschäftigt sich auch mehr mit frauenspezifischen Themen: Wechseljahrbeschwerden, Menstruationsbeschwerden, immer wieder kehrender Scheidenpilz, ungewollte Kinderlosigkeit. Gerade letztere ist für Monika Bänninger ein klassisches Vorzeigebeispiel für die unterschiedliche Handlungsweise von männlichem und weiblichem Fachpersonal. «Frauenärzte raten meist relativ rasch zur Reproduktionsmedizin.» Ich versuche zuerst den Gründen der ungewollten Kinderlosigkeit auf den Grund zu gehen, im Gespräch wird die Ernährung und die Lebensgewohnheiten angesehen. Nach diesen Erkenntnissen verschreibe ich ein homöopathisches Arzneimittel und unterstützende Tees und alte erfolgreiche Rezepturen. Zu Monika Bänningers Fachgebieten gehören aber auch Essstörungen, Ernährungsberatung, Pflanzenheilkunde oder die weibliche Pubertät. Ihr Rüstzeug hat sich die junge Frau in vielen Jahren Ausbildung sowie auf verschiedenen Reisen geholt. Zuerst liess sie sich zur diplomierten Drogistin ausbilden. Dann folgte ein vierjähriges Studium an der Akademie für Naturheilkunde in Basel. Sie belegte die Fachrichtung Homöopathie und eignete sich ein breites Wissen an in Naturheilverfahren und Ernährungstherapie. Es folgten mehrmonatige Reisen nach Indien, Australien und Südamerika, wo sie ihr Wissen weiter vertiefte und mit anderen Behandlungsansätzen und Anschauungen in Kontakt kam. Einen besonderen Eindruck bei ihr hinterlassen haben die anderen Sichtweisen auf die typischen Frauenphasen im Leben, die Menstruation, die Schwangerschaft, die Wechseljahre, die andere Art der Beratung, Begleitung und Behandlung der Freuen. Sie hat viele Einblicke gewonnen in «die nicht krank machende Art zu therapieren», hat das Gefühl kennen gelernt, wie Frauen in allen ihren typischen Lebenslagen auch ohne einen Haufen schulmedizinischer Arzneimittel frei von Beschwerden sein können, ihr Frau sein akzeptieren und stolz darauf sind. Ein persönlich besonders prägendes Erlebnis war für Monika Bänninger, in der ausgeprägten Männerwelt Indiens als Frau zu leben. Wer allerdings eine «Hexenküche» in ihrer Praxis erwartet, den kann sie beruhigen. Es ist eine moderne, hell und kinderfreundlich eingerichtete Praxis. Überall stehen Heilpflanzen herum. Die Räume wirken belebt, nicht steril. Ganz ausgebucht war ihre Praxis anfangs noch nicht. Wobei sie pro Tag ohnehin nicht mehr als vier bis fünf Termine fixiert, um genügend Zeit für Gespräche, die Mittelwahl, das Zusammenstellen von Teerezepten oder Postgänge zu haben. Dafür warten die Patientinnen nie lang, eigentlich gar nicht. Persönlich mag es Monika Bänninger eher ruhig. Nur über den Mittag betätigt sie sich sportlich und betreibt Fitness. Nach dem Feierabend zieht es die 30-jährige nach Hause zu ihrem Partner und zu ihren drei Katzen. «Mein Beruf ist gleichzeitig mein Hobby. Deshalb lege ich am Abend in der Regel auch nicht Wert darauf, noch etwas zu unternehmen und regelmässig auszugehen.» Markus Böni erschienen im Gesundheitsmagazin schweizer Hausapotheke Nr. 9. Dezember/Januar 2004/2005zurück zur Archiv-Übersicht |
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